Beychella & Oramics

 

Verborgene Schätze, oder warum man Daphne Oram kennen sollte.

Beyoncé Knowles ist eine Legende. Dies hat sie im April 2018wieder einmal untermauert mit ihrem unfassbaren Auftritt als erster afroamerikanischer Opening Act des Coachella Festivals. Knowles ist fast 400 Mio. US Dollar schwer. 2017 verdiente sie 105 Mio. US Dollar, 2016 spielte ihre „Formation“ Tour 246 Mio. USD ein, ein Tagessatz von 5,2 Millionen.
Überhaupt „Lemonade“, das letzte Album: Tidal (ein Streaming Dienst, an dem Beyoncé Anteile hält und auf dem das Album zuerst veröffentlicht wurde) beschreibt das Konzept des Albums, dessen Titel auf Großmutter Knowles zurück gehen soll, als: Die Reise jeder Frau nach Selbsterkenntnis und Heilung.

Lemonade beeindruckte, wie Knowles` Coachella Auftritt, mit nahezu irrwitziger Vielfalt musikalischer Einflüsse und starkem visuellem Content. Übrigens, einen Tag nach #Beychella spendete Beyoncé Giselle Knowles-Carter 100.000 USD an traditionell afroamerikanische Colleges und Universitäten. Und: ihre Coachella Sensation wurde von fast 500.000 Zuschauern auf youtube verfolgt. Ein Anstieg um 75% im Vergleich zu Lady Gagas Auftritt im Vorjahr. Selbstverständlich ein Rekord, sonst wäre sie ja nicht Queen Bey.

Queen Bey ist einzigartig, aber auch eine von vielen erfolgreichen Musikerinnen. Es gibt sie zahlreich, die weiblichen Legenden des Jazz, Blues, Rock & Pop. Nicht zu vergessen die klassische Musik.
Doch wen kennt man noch nicht? Daphne Oram zum Beispiel. Wer? Genau.

Daphne Oram, geboren am 31.12. 1925 in Wiltshire, Großbritannien, 20 Meilen vom berühmten Stonehenge entfernt. Als Kind lernte sie Klavier, Orgel und Komposition. Sie hatte einen sicheren Studienplatz am Royal College of Music, nahm diesen aber nicht wahr. Stattdessen begann sie 1942 für die BBC zu arbeiten, als Junior Studio Engineer und „music balancer“. Sie blieb bis spät in die Nacht im Studio, experimentierte mit verschiedenen Aufnahmetechniken wie Loops und elektronischen Sounds. Zu dieser Zeit komponierte sie ihr erstes Werk „Still Point“, von dem heute gesagt wird, dass es die erste Komposition sei, die akustische Live Aufnahmen mit elektronischer Manipulation kombiniere. Es sollte 60 Jahre dauern, bis diese Komposition öffentlich wurde. Erst 2004 wurde „Still Point“ vom London Contemporary Orchestra uraufgeführt.

Daphne Oram war die erste britische Komponistin, die elektronische Sounds produziert hat. Sie war Gründerin des BBC Radiophonic Workshops, die erste Frau, die ein elektronisches Musikstudio leitete, die erste Frau, die ein elektronisches Instrument designt und konstruiert hat. Pionierin der „Musique Concrete“. Oram erfand ihre ureigene Technik und nannte diese „Oramics“. Ihr Verfahren basierte u.a. darauf, auf 35mm Film zu zeichnen und so graphisch zu modulieren, wie das Licht der Photozellen aufgenommen würde. Ähnlich, wie die Tonamplituden optisch dargestellt werden können, können auch optische Signale in Ton übersetzt werden. Der amerikanische Erfinder Lee De Forest entwickelte in den 1920er Jahren ein Verfahren, mit dem Ton photographisch, simultan zum Bild, also theoretisch sogar synchron, festgehalten werden konnte.
Die Geburtsstunde des Tonfilms.

Oram komponierte die meisten elektronischen Sounds zum Film “Dr. No“ – ohne einen Credit. Ihre Kompositionen wurden ebenfalls für die beiden darauffolgenden Bond Filme „From Russia with Love“ und „Goldfinger“ verwendet. Sie dachte über „Spatial Sound“ und die Möglichkeiten 3D Sound zu produzieren nach, lange bevor überhaupt der Begriff gefunden war. In den 1980ern arbeitete sie an einer Software Version für ihre Oramics Technik. Ihr Buch “An Individual Note of Music Sound and Electronics” wurde mittels einer Crowdfunding Kampagne 2016 erneut aufgelegt.

 “Do we, both humanly and musically, walk a tightrope? If we lean one way we plunge into the futile void of the ineffectual sine wave; if we lean the other way we fall into the abyss of annihilating noise. To keep our balance we must have individuality- individuality of character, individuality of style.”
Daphne Oram, An individual note of music sound and electronics
(zu finden hier: http://www.ideologic.org/files/oram_anindividual.pdf)

Ihr Werk „Oramics“ ist auf youtube zu hören. Dringend zu empfehlen!
https://www.youtube.com/watch?v=6CPojat3FI0&t=990s

 

Verfasser: nb
Quellen: The New Yorker, www.thefader.com, www.npr.org, BBC, The Guardian, Kickstarter. www.soundonsound.com, www.daphneoram.org, https://twitter.com/daphneoram, https://www.youtube.com/watch?v=RTHXwgTpy90– Auszug BBC Reportage über Oram