The Dark & The Dub Side Of The Moon

– Pink Floyds Meisterwerk und seine Folgen….

Ich war 15 als ich das erste Mal auf meinem frisch erworbenen Plattenspieler Dark Side of The Moon von Pink Floyd hörte, eine Schallplatte, die mein Vater in Ostberlin als so genannte „Bückware“ (die Platte war offiziell nicht zu erwerben, und der Verkäufer musste sie unter dem Ladentisch hervorkramen, sich also bücken) erworben hatte. Herzschläge, Registrierkasse, Presslufthammer, Helikopterrotoren, der irre Schrei dieser Frau – was für ein Kopfkino! Ich war sprachlos, hielt den Atem an, mein Magen drehte sich, Gänsehaut am ganzen Körper – es gibt keine bessere Beschreibung, die Platte war schlicht eine Offenbarung. Und dieser Satz, britischstes Englisch, es dauerte Jahre, bis ich ihn wirklich verstand: „You have to explain why you are mad, even if you are not mad“. Von da an war alles anders. Roger Waters wurde zum Schwarm meiner Teenager Jahre, und ist bis heute einer der Musiker, den ich am meisten bewundere.

Es ist das achte Album von Pink Floyd, veröffentlicht am 1. März 1973, von Harvest Records. Es war nicht nur experimentell, es war visionär und ist bis heute legendär. Zum Teil in den Londoner Abbey Road Studios aufgenommen, Multi Track Recording, Tape Loops, analoge Synthesizer, Zitate und Gespräche, die Waters auf Tour von Crew Mitgliedern aufgenommen hatte, und unendlich viele „natürliche“ Geräusche – alles zu einem bombastischen und zugleich genial minimalistischen Soundtrack galvanisiert. Waters‘ Idee war, ein Album zu schaffen, das sich mit Allem auseinandersetzt, was Menschen in den Wahnsinn treibt. Konflikte, Gier, Vergänglichkeit, ausgehend von der stark angegriffenen geistigen Gesundheit des Pink Floyd Mitbegründers Syd Barret. Dark Side of The Moonwar zuerst nur Arbeitstitel, als Metapher für Wahnsinn und Verrücktheit, im Englischen mit dem schönen Wort „lunacy“ ausdrückbar. Mondsucht wäre eine adäquate, wenn auch nicht für jeden zugängliche Übersetzung ins Deutsche.

Jede Seite der Platte ist ein in sich abgeschlossenes, durchgängiges Musikstück. Die 5 Tracks stehen jeweils für diverse Stadien des menschlichen Lebens, beginnend und endend mit einem Herzschlag. Es ist das erfolgreichste Pink Floyd Album aller Zeiten, ein Meisterwerk, dass allein von 1973 bis 1988 741 Wochen in den Charts vertreten war. Die Platte wurde 45 Millionen Mal verkauft und gehört bis heute zu den 25 meistverkauften Alben in den USA. Es wurde das erste Album, das Pink Floyd komplett mit auf Tour nahm, was bedeutete, dass zusätzlich zum bisherigen Equipment drei weitere LKWs mit 90Tonnen Equipment angeschafft wurden und von Konzert zu Konzert rollten. Weitere Trivia wären: zum ersten Mal war die Band so überzeugt von der lyrischen Qualität der Texte von Roger Waters, dass diese auf die Plattenhülle gedruckt wurden. Und: es wurden unter anderem auch Texte von Paul und Linda McCartney aufgenommen, um eingemischt zu werden. Allerdings wurden diese Aufnahmen als zu bemüht eingeschätzt und stattdessen landete der Satz „I don‘t know, I was really drunk at that time“ von McCartney’s Wings Kollegen Henry McCullough auf der Platte. Rund um den 21. August 2017 war das Album auf einmal an der Spitze der iTunes Charts – in Nordamerika konnte man eine totale Sonnenfinsternis bewundern. Viele entschieden sich wohl für Dark Side of The Moonals Soundtrack.

Diese Schallplatte wurde Referenz und Grundlage zahlreicher weiterer Alben, Hommagen und Coverversionen von diversen Künstlern weltweit. Da wären beispielsweise Poor Man’s Whiskey mit Dark Side of The Moon shine –  der Titel ihres Coveralbums spielt auf den Moonshine Wiskey an, der „Arme Leute Whiskey“. Das ist die Stufe des Getränks nach dem Brennen und bevor es in Fässer gefüllt wird zum Veredeln, sehr beliebt während der US-amerikanischen Prohibition und immer noch fester Bestandteil der Whiskey Kultur. Die verwendeten Geräusche entstammen dem Farmleben, man hört unter anderem Schafe und Hühner anstelle der Registrierkasse und Helikopterrotoren des Originals, eine sehr unterhaltsame Countryverison. Auch das Plattencover ist thematisch kohärent interpretiert worden, anstelle der Pyramide wird das Licht von einer Whiskeyflasche gebrochen. Konsequent. Nicht weniger kreativ ist das AlbumNot So Bright Side of The Moonvon The Squirrels. Hier erhält man jedoch den Eindruck, es sei eher Persiflage als Hommage, so wurden zum Beispiel die Herzschläge des Originals ersetzt mit einem Schluckauf….

Und dann ein Album, das für sich bereits Kultstatus erreicht hat: Dub Side of The Moon. Kongenial beginnt die Platte mit Bongos und Bong, wo im Original der Herzschlag wummert. Das Gelächter, das sich durch das gesamte Originalalbum zieht, und von Pink Floyds Road Manager Peter Watts, dem Vater der australischen Schauspielerin Naomi Watts, stammt, klingt bei Dub Side of The Moonwie das irre Lachen eines bekifften Rastafaris. Die Musik ist, wenn das überhaupt möglich ist, durch die Breakbeats noch psychedelischer als im Original. Dub Sideerschien erstmals 2003, 30 Jahre nach Dark Side of  The Moon. Es ist seitdem in den Billboard Reggae Charts vertreten, wurde über 85.000 Mal verkauft und 2016 re-released. Die Produzenten Easy All Stars sind ein Reggae Kollektiv, das 1997 unter anderem von Michael Goldwasser in New York begründet wurde.  Weitere, hörenswerte Produktionen sind Radiodread, eine Interpretation von Radiohead’s OK Computer, Easy Star’s Lonely Heart’s Dub Band, Hommage an die Beatles und Thrilla, klar, Interpretation von Michael Jackson’s Thriller. Ihre letzte Tour war 2017, entlang der US-amerikanischen Westküste – es bleibt zu hoffen, dass sie auch mal wieder in Europa live zu sehen sind. Bis dahin können wir ihre Platten genießen.

Verfasser: nb
Quellen: Dark Side of The Moon (LP), The Rolling Stone magazine, utimateclassicrock.com, poormanswhiskey.com, spotify.com, youtube.com, facebook.com/thesquirrels/, The Guardian, pinkfloyd.com, dailymusicguide.com, easystar.com, independent.com

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